Mit „Phase Null“ zum passenden Konzept

Eine Delegation der Samtgemeinde Aue besuchte die Baustelle

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Bevor eine Gemeinde ein Schulhaus baut, sollte sie auf jeden Fall mit den Nutzern des Gebäudes über die Anforderungen sprechen. Wie soll das Lernkonzept aussehen? Was brauchen die Schüler, um sich wohlzufühlen? In einer „Phase Null“, also einer Zeit der Bedürfnisermittlung und Entscheidungsfindung, die den folgenden Bauphasen vorgelagert ist, sollte eine Gemeinde sich klar werden über das passende Konzept und das dafür geeignete Schulhaus.

Diesen Rat legte Ralf Pohlmann den Gästen der Baustelle, einer aus Aue bei Bad Bodenteich angreisten Gruppe nahe, bevor er begann, das Schulzkonzept der Clenzer Schule zu erläutern.

Lernlandschaften mit Flüsterkultur, Inputräume für den Unterricht in Kleingruppen, jede Einheit in sich geschlossen mit Garderobe, kleiner Küche und Klos – das alles erklärten der Architekt und Schulleiterin Ilka Wilke den Gästen ausführlich. Ralf Pohlmann ging noch auf bauliche Qualitäten des Schulhauses ein, nannte die gute Energiebilanz, das neue Lichtkonzept und betonte die modernen Akustikdecken und das Beachten haptischer Überlegungen.

Bürgermeister Hubert Schwedland lobte die kompakte Bauweise, die mit wenig Fluren auskommt und so viel Geld einspart: Das Budget von 5 Millionen Euro sei von keinem vergleichbaren Schulneubau erreicht worden. Ähnliche Schulen, zum Beispiel in Wolfsburg, würden mit einem Etat von 6,5 Millionen und mehr gebaut. Auch der harmonische Bauablauf wurde sowohl vom Architekten als auch von Samtgemeindebürgermeister gelobt.

Auf die Frage, was denn geschehen würde, sollte sich das Konzept der Clenzer Schule wieder in Richtung „konservativ“ ändern, erklärte Ilka Wilke: „Schon seit längerem werden Pädagogen dafür ausgebildet, Kinder individuell zu unterrichten. Gruppenarbeit und das Aufgreifen individueller Lernstände sind längst in den Unterricht integriert.“ Ein Zurück könne es aus ihrer Sicht nicht geben, zumal auch die Lehrkräfte hinter dem Konzept einer Schule stehen müssten. Hubert Schwedland wies darauf hin, das gerade konservative Menschen mit dem Schulkonzept viel anfangen könnten, weil sie den jahrgangsübergreifenden Unterricht, der in den Lernlandschaften gefahren werden kann, aus den Dorfschulen kennen.

„Schule wird mehr und mehr zum sozialen Raum“ fügte Ralf Pohlmann hinzu. Wissen gebe es überall, doch gemeinsam lernen und spielen, zusammen Mahlzeiten einnehmen und Kontakte pflegen, das könne die Schule mit ihren familiären Lernlandschaften besonders gut leisten.

Für bis zu 48 Kinder reicht eine Lernlandschaft aus: Sollten es mehr werden, wie es ab dem Schuljahr 2016/17 durch Zuzüge in den Südkreis bereits der Fall sein könnte, wird es eine jahrgangsübergreifende Klasse geben, die von den Eltern direkt angewählt werden kann. Untergebracht werden können diese Kinder in einem freundlichen Hort-Neubau, der in den nächsten Monaten auf dem Schulgelände entstehen wird. „Die Schülerzahlen sind schwierig zu prognostizieren“ erklärte Ilka Wilke den Samtgemeindevertretern: „Wir wissen erst sehr spät, wie viele Kinder tatsächlich eingeschult werden. Im Moment sieht es nach mehr Kindern aus, ob das dann wirklich so wird, müssen wir abwarten.“

IMG_1701Nach einem Rundgang über die Baustelle, auf der fleißig Decken verkleidet und Türen eingebaut werden, sahen sich die Gäste aus Aue noch die neuen Schulmöbel an, die seit einem Jahr in einer Klasse bereits getestet werden.

„Das war sehr aufschlussreich für unseren Entscheidungsprozess“ hieß es am Ende aus der Auer Delegation. Die Samtgemeinde steht dort noch ganz am Anfang ihrer Entscheidungsfindung und will gern wiederkommen, wenn die Schule im Frühling umgezogen ist.